Hoffnung schlug Realität. Führte der Weg in letzter Zeit nach Stuttgart, begleiteten Borussia nicht immer gute Gefühle. Und nicht selten ging die Self-fulfilling prophecy mit Klatschen, Laschen oder Lehrstunden im Gepäck in Erfüllung.
Mit einer gehörigen Skepsis machten sich somit Frei Schwimmer mit dem Bus der Fanabteilung oder Privat-PKW auf ins Schwabenländle, um den BVB während der Auswärtspartie gegen den Verein für Bewegungsspiele zu unterstützen und möglichst psychologische Phänomene und Gesetze aus den Angeln zu heben. Schließlich hat es im letzten Jahr nach langer Zeit beim 2:0-Sieg auch geklappt. Damals wusste nach den 90 Minuten nur keiner, wie das gelang und die Ultras aus Cannstatt waren so sauer, dass sie ihr eigenes Wohnzimmer malträtierten, Stühle aus den Befestigungen rissen, aufs Spielfeld warfen und der Frustations-Aggressions-Hypothese neue Nahrung gaben. Aus dem BVB-Block heraus war das damals herrlich mit anzusehen.
Siegesdurstig zeigten sich die Anhänger im alten Neckarstadion auch dieses Mal. Anton wurde erwartungsgemäß wieder bei jeder Ballberührung ausgepfiffen, die Kicker mit dem roten Brustring auf dem Trikot nach vorne getrieben. Die Frei Schwimmer und der BVB-Block hielten dagegen, ebenso wie die Kicker, die Coach Kovac auf den Rasen schickte. Zunächst mit einer defensiven Grundstruktur und Ausrichtung. Die hinten stehende Null scheint die neue Zielmarke zu sein, die die Mannschaft bis kurz vor dem Ende des Spiels zu erreichen hat. Dann wird offensiv nachgelegt. Das Spielgeschehen verlagert sich zusehend ins gegnerische Feld. Erfolgversprechende Chancen werden kreiert. Und dann auch genutzt. Beim VfB war es Maxi Beier, der zur Freude der zahlreichen Borussen die Pille über die Linie zum entscheidenden 1:0 über die Linie drückte.
Mit dem vierten Sieg nach dem vierten Spiel eroberte der BVB nach drei Jahren wieder die Tabellenspitze und folgte dem Rosenthal-Effekt. Das Phänomen beschreibt, dass positive Überzeugungen das eigene Verhalten so beeinflussen, dass sich erhoffte Erwartungen auch erfüllen. In Stuttgart hat es funktioniert. Die Zeit der Klatschen scheint passé zu sein. Das Team zaudert nicht mehr, sondern schnappt bei der ersten Gelegenheit auf Erfolg zu. Das lässt hoffen.