Spannungsabfall ist gleich Stromfluss mal Widerstand. Der natürliche Effekt tritt immer auf, wenn elektrische Energie durch einen Leiter fließt. Was in der Physik rechnerisch durch eine einfache Formel zu regulieren ist, ist bezogen auf ein Fußballteam fast unkalkulierbar.
Psychologisch betrachtet ist der Prozess gekennzeichnet durch einen plötzlichen oder schleichenden Verlust von Motivation, Energie und Anspannung. Oft nach Belastung, Unterforderung oder Enttäuschungen.
Und schon landet man beim Auftritt der Borussia beim 1. FC Köln. Das Team von Trainer Kovac blieb vieles schuldig, profitierte von Treffern in günstigen Momenten, nach einer roten Karte vom Überzahlspiel, grundsätzlich positiven Schiedsrichterentscheidungen und dem Unvermögen der Geißbock-Offensive. Am Ende der 90 Minuten stand ein 2:1-Sieg für die Schwarzgelben. Und auch die Gruppe Frei Schwimmer in den Sitz- und Stehblöcken wusste eigentlich nicht, warum.
Mit Zügen, PKW und Bussen machte sich die Gruppe auf, um sich bereits ein paar Stunden vor dem Anpfiff bei frühlingshaften Temperaturen in Müngersdorf auf das Match einzustimmen. Mit Vertretern der befreundeten Clubs Schwarz-Gelbe Lüner und Werseborussen wurde viel diskutiert über das letzte Spiel gegen die Bayern, Auswärtsleistungen des BVB generell, personell anstehende Veränderungen im Kader oder auch persönlichen Dingen. Nicht jedoch darüber, wer die nächste Runde Bier einläutet. Das läuft in der Regel automatisiert und bedarf keiner strategischen Herangehensweise.
Grundsätzliche Überlegungen in Bezug auf die Leistungsbereitschaft des BVB-Profiteams scheinen hingegen dringender denn je. Um physikalisch ein Netz auf einem optimalen Niveau zu halten, sind die richtigen Kabelquerschnitte, nicht zu lange Leitungen und Umgebungstemperaturen von Bedeutung. Bei Borussia sollten kurzfristige Zielsetzungen, ein härterer Konkurrenzkampf, taktische Konzepte und Variationsmöglichkeiten sowie eine aktiv begleitete Selbstreflexion dazu führen, die Gier im Team zu wecken und Reibungen zu erzeugen. Wer dem ersehnten Spielfluss und dem Engagement auf dem Feld durch Verhalten oder mangelndem Vermögen dann weiter Widerstand leistet, teilt als Konsequenz das Schicksal einer durchgeknallten Sicherung und sitzt erst einmal auf der Ersatzbank. Wie Strom in einem Speicher, der erst wieder fließt, wenn Energie benötigt wird.