Schwitzen im Spätsommer

Frei Schwimmer und das Team kommen in Bedrängnis

5. September 2026

„So geht des Wassers Weise: es fällt, es steigt, es sinkt in ewig gleichem Kreise und alles, alles trinkt“

James Krüss beschreibt in seinem Gedicht über den weltweit gültigen Kreislauf des kühlen Nass. Weltweit? Ausgenommen Fußballstadien und speziell am Samstag der Kraichgau.

Borussia hatte in der SNP-Arena gegen Hoffenheim anzutreten. In Sinsheim, durch das sich die Elsenz schlängelt, ein Nebenfluss des Neckar. In einem Stadion, das direkt in der Nähe der Bäderwelt steht. Ein regional beliebtes Spaßbad, im dem das Wasser zig Becken füllt.

Feuchtes wäre auch am Spieltag in den Katakomben und auf den Rängen willkommen gewesen. Bei hochsommerlichen Bedingungen brutzelte der Lorenz volle Lotte in den Gästefanbereich. Vier Stunden Spätsommersonne. Pur und unverschattet. Bei über 30 Grad.

Logisch, dass nicht nur die zahlreichen Frei Schwimmer mächtig ins Schwitzen gerieten und mit Getränken dem Flüssigkeitsverlust zu trotzen gedachten. Dass Bier unter diesen Bedingungen dabei nicht immer die beste Wahl ist, erscheint nachvollziehbar. Für die Wasser-Alternative verlangten die Mitarbeiter:innen im völlig überforderten und schlecht organisierten Cateringbereich schlappe 2,50 Euro für ein kleines, 4,00 Euro für ein großes Gefäß, plus 3 Euro Pfand.

Da das Aufdrehen der niedrig angebrachten Waschbeckenhähne im Toilettenbereich keine Lösung offenbarte, hieß es während der 90 Minuten zigmal aktiv anstellen, Geld aus der Tasche ziehen lassen, Plastikbehälter auf die Ränge zu jonglieren und nach dem Genuss des Inhalts parallel mit Tausenden zu versuchen, an lediglich zwei Abgabeschaltern die Becher wieder los zu werden.

Hoffenheim: das, was ihr da macht, ist amateurhaft. DFL: warum kann man bei derartigen Temperaturen nicht abverlangen, kostenlose Wasserabgabestellen aufzustellen? Das wäre endlich einmal eine sinnvolle Initiative und würde der allgemeinen Fangesundheit dienen.

Schließlich sollen Erwachsene bis zu zwei Liter am Tag trinken, um die Leistungsfähigkeit zu sichern. Die Borussen schienen nicht darauf geachtet zu haben. Zu schwach, zu unterlegen, zu pomadig präsentierte sich die Kovac-Truppe während der ersten 60 Minuten. Konsequenz: 0:2 Rückstand. Dann ging ein Ruck durch die Truppe. Vielleicht gestärkt durch an der Außenlinie zu sich genommene Powersäfte. Guirassy, Silva und Neuzugang Ethan Nwaneri gelang es vor den Augen der trockengelegten schwarzgelben Miniwand, mit direkten Treffern oder erzwungenen Eigentoren das Spiel doch noch zu drehen.

Am Ende stand ein nicht ganz verdienter 3:2-Auswärtssieg. Egal. Solche Erfolge nach aussichtslos erscheinenden Rückständen schmecken besonders gut. So gut wie in Samt gekleidetes Aqua Mineral, das langsam die Kehle herunterwandert.

Glücklich über den Erfolg machten sich die Frei Schwimmer wieder auf den Heimweg. Direkt per Bus. Oder mit dem Umweg über den Elfmeter, einer Fankneipe unweit der ungeliebten Spielstätte. Aber mit der festen Absicht, die geschundenen Körper innerlich mit dem Quell des Lebens oder in mit Hopfen, Hefe und Malz gegärten Varianten zu verwöhnen und den von James Krüss beschrieben Kreislauf zu schließen.