In England herrschen andere Gesetze. Gefahren wird auf der linken Straßenseite, überholt wird rechts. Im Kreisel folgt der Verkehr dem Uhrzeigersinn. Die Prinzipien gehen auf das Mittelalter zurück. Ritter wollten ihre in der Regel stärkere rechte Hand zum Führen des Schwertes frei halten, wenn sie links ritten.
Unabhängig von der historischen Komponente gilt: Es ist beim Führen von Fahrzeugen auf der Insel Vorsicht geboten, sonst drohen Schwindelattacken und Ungemach.
Das Prinzip Obacht leitete somit den Ausflug der Frei Schwimmer zum Champions League-Spiel gegen Tottenham nach London.
Während eine kleine Reisegruppe bereits Samstag vor der Partie Richtung Inselhauptstadt aufbrach, um anschließend mit dem Auto nach Wales zu düsen und einem Frauen-Fußball-Match beizuwohnen, reiste der Rest der Bande mit tausenden, anderen BVB-Fans Montag per Bus oder Flieger an. In London gab es Sightseeing-Touren oder Kneipenbummel – zum Beispiel ins beliebte Wetherspoon, um Dank allgegenwärtiger Vernetzung gesponserten Getränkeorder aus der Heimat via Instagram in Empfang zu nehmen.
Zu diesem Zeitpunkt waren für einige Frei Schwimmer auch kleinere, unvorhersehbare Schwierigkeiten überwunden, wie plötzliche Stornierungen von Unterkünften und dem Improvisieren von Schlafstätten. Kurz: Wer reist, kann viel erleben.
Das gilt übrigens auch für den BVB am Spieltagabend.
Während im neuen, eine Milliarde Euro teuren Tottenham-Stadion an der High Road die Anhänger von Borussia auf den Rängen einen beeindruckenden Auftritt ablieferten, leideten die Schwarz-Gelben auf dem Rasen an akuter Orientierungslosigkeit. Was dort in den ersten 45 Minuten an Leistung abgerufen wurde, spottete jeder Beschreibung und grenzte an Verweigerungshaltung. Die Lilywhites spielten unsere Jungs beim 0:2 schwindelig. Die Kovac-Kicker verloren völlig die Orientierung. Nicht wie Festlandbewohner im ungewohnten Linksverkehr. Sondern wie nach einem Schleudergang in einer Waschmaschine, mit Drehrichtung nach links und rechts.