Saisonfinale und goldener handschlag

Frei Schwimmer-Gruppe fährt nach Bremen zu Lande, zu Wasser und zu Luft

17. Mai 2026

Bremen schlägt sich derzeit mit der Staatsrats-Affäre herum. Die Krise um mehrere politische Beamte, die per Goldenem Handschlag in den Ruhestand versetzt wurden, beschäftigt einen Untersuchungsausschuss und sorgt für einen veritablen Vertrauenseinbruch zwischen Stadtspitze und Bürgerschaft.

Vertrauen in die Leistungsbereitschaft seiner Mannschaft vor dem letzten Spiel der Saison im Weserstadion kam Trainer Nico Kovac nicht abhanden. Zurecht. Denn der Coach wurde nicht enttäuscht. Der BVB nahm das Spiel seriös an, ließ die Grünweißen nicht zur Entfaltung kommen, hielt zum 15. Mal in der Spielzeit hinten die Null machte zwei Buden.

Und das alles vor den Augen einer größeren Frei Schwimmer-Abordnung, die mit dem Auto, der Bahn oder wie Michel aus dem irischen Galway mit dem Flieger zum Osterdeich an die Weser pilgerten. Am besten hatten es die Frei Schwimmer getroffen, die mit dem Bus der Fanabteilung Richtung Hansestadt rollten und die letzten Anreisekilometer mit dem Schiff hinter sich brachten. Eine tolle Aktion, die einem Saisonfinale einen würdigen Abschluss verlieh.

Mit 73 erreichten Punkten landet Borussia am Ende des Wettbewerbs souverän auf dem zweiten Rang. Eine Bilanz, mit der Vereine auch schon zu Deutschen Meistern gekürt wurden. Dass dies dieses Jahr nicht gelang, lag leider – und das muss neidlos anerkannt werden – an übermächtige Bauern.

Nun gilt es, die Jahresleistung zu analysieren, Stellschrauben zu drehen und den Kader aufzupolieren. Mit Sportchef Ole Book kehrt auf jeden Fall die Fantasie zurück, dass dies gelingen kann. Er herrscht etwas Aufbruchstimmung und Optimismus, die Lücke zum Branchenführer aus München schließen zu können.

Ob dies unter dem Strich gelingt, steht und fällt mit dem Verantwortlichen an der Außenlinie. Und in dieser Frage setzt die BVB-Führungsetage auf die Integrität des jetzigen Übungsleiters. Der Vertrauensvorschuss, den Nico Kovac genießt, ist groß. Die Zweifel in der Fanbase, angesichts der mageren Vorstellungen in viel zu vielen Spielen aber ebenso.

Verlässt sich der UEFA-Pro-Lizenz-Inhaber weiterhin auf die defensiven Strukturen, dem Primat der Torabsicherung mit Fünferkette, einem Stürmer und unbesetzten Flügeln, könnte das Vertrauen allerdings schneller schmelzen als Gelato-Eis in der Sonne Bolognas. Die Skepsis auf den Blöcken ist jedenfalls spürbar, das Stöhnen ob der spielerischen Armut hörbar und ein schnelles Scheitern des Trainers noch in diesem Jahr nicht unvorstellbar.

Kovac muss liefern. Wenn nicht, macht in den Büros der BVB-Geschäftsstelle das Wort Krise wie derzeit in den Bremer Behörden schnell die Runde – und die geplante Vertragsverlängerung mit dem Trainer über den ohnehin noch ein Jahr laufenden Kontrakt hinaus würde den Goldenen Handschlägen für Bremer Staatsräte gleichen. Dem BVB bliebe wenigstens der von einer Opposition beantragte Untersuchungsausschuss erspart. Immerhin.