Enttäuschung und Ernüchterung

Auswärtsspiele nach Bodö-Klimt und zu Union Berlin legen Defizite im BVB-Offensivspiel offen

14. und 17. Oktober 2026

Bodö, Berlin, Baku – ein vielversprechender Dreiklang, der für viele Auswärtsfahrer wie Musik in den Ohren klingt. Norwegen, Preußen, Aserbaidschan hätten die Frei Schwimmer gerne auf sich genommen, um Borussia unterwegs zu unterstützen.

Leider fiel die Tour zum Polarkreis aus. Aus bekannten Gründen gelang es nicht, Tickets für das Match zu erschleimen. Also reduzierte sich die Planung auf einen Abstecher in die Hauptstadt, um dann nach Rückkehr die Koffer für den fünfstündigen Flug Richtung Osten zu packen.

Land und Leute hinterließen in Norwegen bei den Glücklichen, die per Billetts Zutritt zum Stadion erhielten, einen tiefen Eindruck. Einen tieferen, als es sportlich die Kovac-Jungs vermochten. Eher sang und klanglos ließen sich die Schwarzgelben den Schneid abkaufen und verloren völlig verdient 1:0.

Also musste es in Köpenick ein paar Tage später besser werden. Mit Zügen und Bussen steuerte eine mittelgroße Gruppe Frei Schwimmer die Alte Försterei an. Auf der Anreise wurde viel diskutiert. Über Bodö. Über Aufstellungen. Über Spielkonzepte. Über Spielideen. Über die Vertragsverlängerung des Trainers bis 2028.

Der Stuff um Borussia könnte demnächst die Ohren spitzen, um sich inspirieren zu lassen. Denn was der BVB vier Tage nach der Pleite unter Polarleuchten aufs Feld zauberte, war weniger als Inhalte in Wahlprogrammen der AfD existieren.

Holla, die Waldfee. War das schlecht. Union sackte ein 0:0 ein und schickte nach 90 Minuten einen völlig ratlosen BVB in die Katakomben eines Stadion, das demnächst umgebaut und somit um das allseits geschätzte Flair gebracht wird.

Bis auf Anton in der Abwehrzentrale und Kobel im Tor, in Ansetzen noch der junge Gadou, präsentieren sich so, wie unsere Ansprüche an die Elf sein dürfen. Auf der Schiene passiert nur Mittelmäßiges. Auf jeden Fall zu wenig, soll, wie der Vorstand wünscht, um Titel gespielt werden.

In der Sturmzentrale agiert Guirassy als Alleinunterhalter. Bellingham hat kaum Input auf das Spiel nach vorne, von Torgefahr einmal ganz zu schweigen. Wäre da noch Nmecha. Seit der letzten Rückrunde samt WM spielt der 8er so phlegmatisch wie Kanzler Merz die Regierungsgeschäfte führt. Sein missionarischer Eifer ist schon schwer zu ertragen und ist eines Borussen und unserer Borussia unwürdig. Jetzt fehlt auch noch die Leistung, von Konstanz ganz zu schweigen. Wenn alle Experten dieser Welt das Potenzial in dem bereits 26-Jährigen erkennen, dann muss er es auch einmal über 90 Minuten unter Beweis stellen. Falls es stimmen sollte, dass Liverpool seine Fühler nach dem radikalen Christen aussteckt und um die 100 Millionen Euro auf den Tisch legen möchte, muss man nicht lange überlegen.

Musste Coach Kovac in Bezug auf seine Vertragsunterzeichnung wohl auch nicht. Unter seiner Ägide ist es gelungen, die Flügel hängen zu lassen. Was uns als BVB jahrzehntelang stark und offensiv zur Bastion gemacht hat, ist von ihm schneller geschliffen worden als die Festung Hohentwiel von Napoleon 1801.

Gittens, Reyna, Brandt, Duranville, Campbell. Alle gingen. Und dann auch noch der Verkauf von Adeyemi. Ok, das hatte Gründe. Aber wenn in der Woche über Insta oder Facebook Filmschnipsel von Karem über seine Galaauftritte beim FC Barcelona herüberwabern, treibt einem das die Tränen in die Augen. Auch angesichts der lustigen 22 Millionen Euro, die uns der Transfer eingebracht hat.

Flügelstürmer spielen unter Kovac nicht mehr mit, stattdessen die Zweifel. Der Trainer kann defensiv. Ist aber auch nicht schwer beim sturen Festhalten an der Dreierkette mit Anton und Schlotti. Was sich immer mehr abzeichnet ist, dass er offensiv nicht kann. Klar, die Ausfälle der jungen Karetsas und Konstantelias fallen schwer ins Gewicht. Aber darüber hinaus ist keine Idee, kein spielerischer Entwicklungsschub, kein einstudierter Spielzug, kein kollektives Pressingverhalten zu erkennen.

Die Verteidiger des Trainers verweisen gerne auf den herausragenden Punkteschnitt. Ja, der ist gut. Die Statistik stimmt. Und lügt zugleich. Denn wie viele Spiele haben wir zuletzt gesehen, die nur mit Maximal-Spielglück zu unseren Gunsten ausgegangen sind. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

Eine Pleite in Baku, ein Aufbäumen der Frankfurter Würstchen am nächsten Samstag – und wir haben eine veritablere Diskussion an der Backe als die Frei Schwimmer im Auswärtsbus über die ausgefallene Tour zum Polarkreis.