Dem Auswärtsspiel in München gegen die Bauern steht ein Fan der schwarzgelben Borussia eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zu deutlich waren in der Vergangenheit die Abfuhren, die sich die ambitionierten BVB-Teams im Süden einhandelten.
Doch es verändert sich etwas. In den letzten drei, vier Spielzeiten ist zu konstatieren, dass so aussichtlos das Auftreten in der Schüssel in Fröttmaning nicht sein muss. 2025 gab es in der Vorsaison im Oktober ein unglückliches 1:2, 2025 im April ein gerechtes 2:2, 2024 sogar einen hochverdienten 2:0-Erfolg.
Hat die Arena also ihren Schrecken verloren? Der Test sollte an Halloween Ende Oktober an einem Samstagabend den ultimativen Aufschluss geben.
Zunächst mussten sich die Frei Schwimmer, die mit der Fan-Abteilung anreisten oder privat per PKW über einen Abstecher zum Einkaufen von Weihnachtsdeko in Rothenburg ob der Tauber oder zum Einladen von Familienmitgliedern (hallo Papa Marcello) nach Thüringen, mit einem anderen Horrorszenario auseinandersetzen. Gemeint ist damit nicht die schrecklich klingende Bilanz eines Frei Schwimmers aus dem hohen Norden, der 48 Stunden unterwegs war und fast 24 Stunden in Zügen und Bussen verbrachte.
Denn zu Beginn leuchtete die Außenhülle des Stadions pink. Zum Abschluss des Brustkrebs-Aktionsmonats. Jedes Jahr erkranken rund 75.000 Frauen und rund 800 Männer an einem Mammakarzinom. Je früher der Tumor erkannt wird, desto höher liegt die Überlebenschance. Brustkrebs ist inzwischen kein Todesurteil perse mehr. Werden im fortgeschrittenen Stadium allerdings bereits Metastasen festgestellt, wird es eng. Deshalb ist Vorsorge so wichtig. Deshalb sind Aktionsmonate von größerer Bedeutung als jedes Fußballspiel, um auf den Zusammenhang von Heilung und Früherkennung hinzuweisen.
Dass die Auseinandersetzung mit dem Thema den Frei Schwimmern leider alles andere als fremd ist, wurde Anfang der letzten Woche schmerzlich deutlich. Eine Freundin aus einem befreundeten Fanclub muss sich derzeit mit genau dieser Diagnose herumschlagen. Bleib tapfer, halte durch. Du schaffst das. Dem Banner, das ihr Fanclub in den Stadien präsentiert, ist nichts hinzuzufügen: You´ll never walk alone.
Der Song begleitet natürlich auch alle Borussen nach München. Zum Spitzenspiel war die Hütte voll bis zum Rand. Und die Monster in rot-weiß, die uns früher gerne einmal aufgefressen haben, zeigten sich eher harmlos. Was auch an einer Überraschung lag. Denn unser Coach setzte zur Verwunderung vieler auf eine Viererkette. Dass wir Fans das noch einmal erleben durften…
Jedenfalls hat es funktioniert. Die im Kane-Kult verharrenden Bauern machten vor der Halbzeit zwar das 1:0, nach einem Fehler von Ballers in God-Wirrkopf Nmecha. Auch erhöhten die Roten nach dem Pausenpfiff den Druck. Zudem gelang es Weltkicker Kane, während der Drangphase einen Elfer an die Latte zu donnern.
Zuvor war Nmecha aus kurzer Distanz mit 100 km/h die Pille an den Arm geschossen worden. Unser Schiri-Freund Stieler zeigte sofort auf den Punkt. Aber sind das Szenen, die zu sanktionieren sind? Im Sinne des Spiels sind Strafstöße dazu da, Fehlverhalten zu bestrafen. Das bedeutet, eine Absicht zum Regelbruch muss vorliegen. Inzwischen ist dieser Ansatz völlig aus dem Blick geraten und es wird gefühlt alles geahndet. Festzustellen am Wochenende wieder dutzendhaft in allen Bundesliga-Stadion. In diese Kategorie fällt auch der Elfer, der gegen den FC Meineid gegeben wurde. Der Schlacker sieht den Spieler hinter sich gar nicht, will einen Ball klären. Der Stürmer der Dosen spitzt von hinten dazwischen und wird logischerweise getroffen. Aber ist das ein Foul im Sinne des Sports? Zweifelhaft.
Ohne Zweifel hingegen, dass sich Borussia nach dem verdonnerten Elfer aus der Umklammerung befreite und durch Serhou Guirassy den Ausgleich erzielte. Sechs Minuten später gelang dem Gegner leider die erneute Führung und vieles sprach dafür, dass der BVB sich mit einer knappen Niederlage auf den Heimweg begeben muss. Die Rechnung ging aber nicht auf. Denn kurz vor dem Ende knallte Fabio Silva aus der Drehung einen Ball zum 2:2 und zum Endstand ins Tornetz. Die Bauern waren geschockt, die Borussen glücklich.
Auch über die Erkenntnis, dass die Arena am Tag des Grusels den Schrecken verloren hat. Der BVB agierte zwar nicht über die gesamte Spielzeit auf Augenhöhe. Aber mit taktischer Finesse, Einsatz und dem nötigen Spielglück lassen sich die Geister der Vergangenheit mit teilweise deftigen Klatschen ins Gruselkabinett vertreiben. Auf Nimmerwiedersehen.