Lila Wunder bleibt aus
Frei Schwimmer starten in Hamburg mit dem BVB in die Pokalsaison
1. September 2026
Als Anhänger der Borussia gibt es deutlich schlechtere Zielorte für Auswärtsfahrten als Hamburg. Gemeint ist aber nicht die Tour zum HSV. Ober zum Millerntor. In der ersten Runde des DFB-Pokals führte eine Schar Frei Schwimmer neben Zigtausend anderen Borussen der Weg ins Herz der Hansestadt, in den einwohnerstärksten Stadtteil Eimsbüttel. Eigentlich. Denn die anstehende Paarung Ballspiel Club gegen Ballspielverein, lila gegen schwarzgelb, HEBC gegen BVB wurde leider von der Heimspielstätte Prof. Reinmüller-Platz in den Volkspark verlegt.
Mit den zwei Vereinen, 1911 und 1909 gegründet, traf Tradition auf Tradition. Der HEBC ist im Eimsbüttel fest verankert. Das Stadion, zunächst mit Aschedecke versehen und benannt nach einem Pädagogen, steht mitten in einem Wohngebiet und ist gesäumt von hohen Häuserblöcken. Dort am Wochenende Wäsche zum Trocknen auf den Balkon zu stellen, empfiehl sich früher nicht. Der rötliche Staub zog vom Platz in die kleinsten Fasern und färbte weiße Bettlaken Nullkommanichts rosa. Der Liebe der Eimsbütteler zum Verein tat dies keinen Abbruch. Zumal der Hartplatz mit einem weichen Kunstrasenteppich verkleidet wurde. Der Nachteil, über eine relativ kleine Hütte zu verfügen mit wenigen Tausend Zuschauerplätzen, ließ sich jedoch nicht beheben.
Insofern fiel die Entscheidung nicht schwer, das Match gegen den großen BVB nach Altena in den altehrwürdigen Volkspark zu verlegen. Um das Stadion zu füllen, wurde eine witzige Werbekampagne gestartet, mit der der Underdog auf das Spiel der Spiele aufmerksam machte. Eimsbüttel wurde quasi in die Vereinsfarben lila getüncht mit dem Hinweis, an die große Pokalgeschichte des Vereins anknüpfen zu wollen. Denn der HEBC war einer von knapp über 4000 Vereinen, die am ersten Pokalwettbewerb 1935 beteiligt waren.
91 Jahre später endete die Cupgeschichte für den Ballspiel Club allerdings relativ flott. Der Oberligist hatte keine Schnitte gegen die Profis vom Dortmunder Borsigplatz. 0:5 hieß es nach 90 Minuten. Borussia nahm den Vergleich mit der gebotenen Seriosität an. Eimsbüttel verkaufte sich teuer. Unter dem Strich gab es also nur Gewinner. Ausdruck fand das schiedlich-friedliche Aufeinandertreffen in einem gemeinsamen Foto aller Beteiligten vor der lila Wand – ein tolles Bild.
Während Eimsbüttel am Wochenende wieder der Oberliga-Alltag einholt, reisen der BVB und im Schlepptau zahlreiche Frei Schwimmer am Samstag in den Kraichgau nach Sinsheim/Hoffenheim. Größer kann der Bruch nicht sein. Hier die Hansestadt mit Vereinen samt Pathos und Geschichte, dort ein Provinzclub von Sponsor-Hopp-Gnaden ohne Tradition. Es gibt Auswärtsfahrten mit Destinationen, die die Welt nicht braucht.
