Hoffnung ist die zuversichtliche Erwartung, dass sich etwas zum Guten wendet oder wünschenswerte Ereignisse einstellen.
Wenn es dann Ostern, dem christlichen Fest der Zuversicht, nach Stuttgart zum Auswärtsspiel geht, drehen sich die Gedanken angesichts der letzten Auftritte des BVB am Neckar nicht unbedingt um Erfolge. Eher schon an eine Metropole, die die Seele lähmt und schwermütig macht. Nicht ohne Grund hinterließ Schauspieler und Kabarettist Wiglaf Droste der der Hauptstadt der Kehrwoche ein gepfeffertes Schmähgedicht. „Das Böse ist gefräßig und will immer noch mehr… Wer in den Stuttgarter Kessel eintritt, erkennt sofort, dass Architektur und Strafe ein und dasselbe sind. Das Auge erblickt Verbrechen, die auch die lebhafteste Städtebauersadistenphantasie sich nicht ausmalen könnte. Wer nach Stuttgart kommt und bei Groschen ist, lässt jede Hoffnung fahren. Profaner und trostferner als Stuttgart geht nicht.“ Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ein Jahrhundertprojekt gestartet ist, die Kackstadt um Cannstadt einfach unter die Erde zu verlegen. Sand drauf und tschüss… Gut zudem, dass es Auswärtsfahrer nach 90 Minuten Fußball schnell wieder aus der Betonwüste hinausführt in vertraute Gefilde. Dorthin, wo auch nicht alles Hoffnung macht. Aber dorthin, wo die schwäbische Engstirnigkeit und der kleingeistige Gedankenmuff keine Triumpfe feiern.
Also ist wieder einmal eher der Weg das Ziel und 25 Frei Schwimmer nahmen den auf sich, mit dem Zug der Fanabteilung und 600 weiteren Schwarzgelben morgens Richtung Süden aufzubrechen. Das sind immer geile Nummern. In den Waggons, die aus den 60er Jahren den Charme der Adenauer-Ära verströmen, Samba-Abteile mitführen und jede Tour verwandeln in eine einzigartige Party auf Schienen. Das macht Laune, das macht Spaß. Fachsimpeln mit netten Leuten, diskutieren über die berühmte Hoffnungsrede von US-Außenminister James F. Byrnes, die er 1946 im Stuttgarter Staatstheater hielt und schon ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands ankündigte.
Weniger Hoffnung verströmten hingegen wieder einmal die Jungs von Coach Kovacs nach Anpfiff der Partie gegen die vielfach besungenen Borstentiere aus Schwaben. Das war wieder einmal ein typischer Auswärtsauftritt. Ohne Esprit. Ohne Glanz. Ohne Spielwitz. Aber mit einer defensiven Grundordnung, die trotz Feldüberlegenheit den VfB keine großen Chancen eröffnete. Als sich alle schon mit einem 0:0 zufrieden zeigen wollten, schlug Adeyemi in der Nachspielzeit eiskalt zu. Weniger Zeigerumdrehungen später legte Jule Brandt sogar noch das zweite Ei ins Nest. Keiner wusste warum. Aber Dortmund gewann. Der VfB verlor auf dem Feld und auf den Rängen die Contenance. Herrlich, dass das Hoffen auf Spielglück wieder einmal einen positiven Ausgang für den BVB schuf und somit den Schwaben zuerst die Zornesröte ins Gesicht trieb, dann selbiges auch noch komplett verlieren ließ. Frohe Ostern. Gern geschehen.
Logisch, dass Frei Schwimmer in tausendfacher Begleitung bestgelaunt den Fußweg vom Stadion durch eine Betonschneise zum Bahnhof in Untertürkheim auf sich nahmen, um dort den Sonderzug zu besteigen und die Partyabteile zu fluten. Wer in Hoffnung lebt, tanzt ohne Musik. Ja, mag stimmen. Definitiv aber nicht im Sambabereich. Wenn die beliebtesten Weisen über die Boxen ballern und die dünnwandigen Bierbecher zum Vibrieren bringen, lebt auch immer die Hoffnung mit, dass sich stets ein Plätzchen an der Theke finden möge, der flüssige Nachschub nicht versiegt und Borussia auswärts irgendwann auch wieder einmal anfängt, Fußball zu spielen.