Schlotterbeck und versengold

Borussen gewinnen gegen Union und Fans einen neuen Gesang

24. Januar 2026

Schlager sind ein Phänomen. Das Genre ist nicht tot zu kriegen. Schlager sind nicht auszumendeln. Schlager erfreuen sich einer stabilen Fangemeinde. Schlager beschäftigen die Wissenschaft. Schlager dienen dazu, in Stadien den Massen vor Spielen einzuheizen.

In Hertha setzt man auf Frank Zander. Naja. In Bochum ertönt immerhin Herbert Grönemeyer. Und in Berlin bei Union sogar Nina Hagen. Das macht den diese Woche 60 Jahre alt gewordenen Club sogar sympathisch.

Auch Fans singen Texte auf Lieder, die große Barden – und Bardinnen – hinterlassen haben. Der brandneue Ohrwurm der Schwarzgelben aus Dortmund bedient sich zum Beispiel der Melodie von Nicole „Allein in Griechenland“ und formuliert die Hauptzeile „Und wenn es doch nicht reicht, dann sei dir sicher, wir sind für dich da, stehen dir zur Seite bis zum letzten Tag – meine Borussia“.

Im Gegensatz zum Auftritt unter der Woche in London gegen Tottenham musste die Liedaussage nach den Aufritt des BVB in Berlin keinen Trost spenden. Der Kampf wurde von den Kovac-Kickern angenommen, die Zweikämpfe gesucht und gefunden, die Duelle verbissen geführt und in den richtigen Momenten die Tore erzielt. Es war zwar immer noch nicht alles Gold, was glänzte. Aber immerhin. In der alten Försterei in Köpenick muss man erst einmal 3:0 gewinnen. Schafft nicht jeder, schafft man nicht immer.

Die drei Punkte waren jedenfalls das gelungene Geburtstagspräsent für die Ultras. Für The Unity, die mit dem Sonderzug morgens zum Berliner Ostbahnhof aufbrachen und im Block ihre Gründung zelebrierten. An dieser Stelle noch einmal herzliche Glückwünsche, die auch eine Gruppe von Frei Schwimmern am eigenen Jubeltag übermittelte. Während jedoch The Unity 25 wurde, feierten Frei Schwimmer ihren erst ersten Jahrestag.

Angereist mit Autos und Bussen, ging es für unsere Gruppe vor dem Spiel zunächst zur Versorgung an eine direkt am Stadion angesiedelten Tankstelle, dann durch eine kleinen Wald Richtung Gästetribüne. Die ist so flach wie eine Flunder mit breiten Stufen. Sieht man auswärts auch nicht mehr so oft. Das Ding erinnert weniger an Bundesliga als an Verbandsliga. Dafür hat es mehr Charme als jede neue Bude, die Städte wie Augsburg, Gladbach oder Mainz weit draußen auf die Wiese setzen.

Nach dem verdienten Auswärtssieg hieß es für die einen, wieder zügig zum Zug zu kommen, für die anderen, die Busse zu erreichen. An Bord wurde wieder einmal viel diskutiert. Über Tottenham und den blutleeren Auftritt dort, über das Spiel des BVB in Berlin mit Messern zwischen den Zähnen, über Kevin Schlotterbeck, der sich immer noch ziert, einen neuen Vertrag in Dortmund zu unterzeichnen. Das Dauerthema nervt inzwischen und man möchte dem Verteidiger in seine Handy-Playlist den Schlager von Trude Herr hinzufügen „Niemals geht man so ganz“, vielleicht nicht unbedingt Howard Carpendales „Dann geh´ doch“. Schon eher Versengolds „Butter bei die Fische“. Aber auf jeden Fall den Titel „Keiner ist größer als der Verein“. Das Lied müsste allerdings noch geschrieben und komponiert werden.